Supply Chain Management

Unter einer Supply Chain versteht man alle Wertsteigerungsstufen, die ein Produkt auf dem Wege vom Rohstoff bis zum Endverbraucher durchläuft. Da selbst bei einfacheren Produkten, z. B. (vollen) Bierflaschen, mehrere Güterströme (Hopfen, Malz, Wasser, Glas, Etikettenpapier, Farbe, Kronkorken) zusammenfließen, sollte man in den meisten Fällen anstatt von einer Kette (chain) eher von einem Netzwerk (network) sprechen.

Unter Supply Chain Management versteht man die Bemühungen von Unternehmen, alle Prozesse in der Wertschöpfungskette "von den Lieferanten der Lieferanten bis zu den Abnehmern der Abnehmer" systematisch zu planen und zu kontrollieren. Betrachtungsgegenstand ist der Material- und Produktfluß in der gesamten Supply Chain, d.h. in einem logistischen Netzwerk, das aus Knoten (Lieferanten, Produzenten, Händler, Abnehmer) und Verbindungen zwischen den Knoten besteht.

Früher wurden ähnliche Fragestellungen unter dem Begriff der Logistik behandelt. Die Möglichkeiten einer unternehmens- und standortübergreifenden Optimierung waren jedoch begrenzt. Heute sind die Erfolgschancen für die dem Logistikgedanken eigene systemweite Betrachtungsweise bei der Optimierung der Wertschöpfungsprozesse wesentlich größer als vor 30 Jahren, da heute die informationstechnische Infrastruktur besser geworden ist.

Das Supply Chain Management umfaßt zunächst organisatorische und informationstechnische Maßnahmen, die dazu führen, daß die beteiligten Knoten der Supply Chain miteinander kooperieren können und die dazu über ausreichend Informationen verfügen. Der Begriff Supply Chain Management wird oft ausschließlich als ein Management-Konzept (Philosophie) interpretiert, wobei vor allem "weiche" unternehmensstrategische und organisatorische Gesichtspunkte angesprochen werden. Dabei wird verkannt, daß die Gestaltung der innerhalb eines Supply Networks ablaufenden Wertschöpfungsprozesse ein erhebliches Optimierungspotential in sich birgt, das durch den Einsatz von Optimierungsmethoden (Methoden des Operations Research) erschlossen werden kann. Werden auch diese Methoden eingesetzt, dann kann man von Supply Chain Optimierung sprechen.

Verschiedene Optimierungsmethoden sind in den Softwaresystemen zum Advanced Planning (Advanced Planning Systeme) implementiert. Advanced Planning Systeme (APS) sind Softwaresysteme, die den Planer mit Hilfe von modellgestützten Ansätzen (Methoden des Operations Research) bei der Lösung von Planungsproblemen im Bereichen der Produktion und der Logistik, vor allem im Supply Chain Management, unterstützen. APS grenzen sich von der transaktionsorientierten PPS- bzw. ERP-Systemen dadurch ab, daß sie auf der Grundlage von mathematischen Optimierungsmodellen, z.B. Modellen der linearen Optimierung, aufgrund von aktuellen Planungsdaten konkrete Pläne erzeugen. Dabei wird angestrebt, alle geltenden Restriktionen (constraints) einzuhalten, also zulässige bzw. machbare Pläne zu erzeugen. Im Laufe der Jahre ist eine große Vielfalt derartiger Systeme entstanden, die sich in ihrer Qualität erheblich voneinander unterscheiden. Dabei kann nicht generell davon ausgegangen werden, daß die bekanntesten Systeme auch die besten Problemlösungskonzepte beinhalten.

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Literatur

Günther, H.-O. und Tempelmeier, H. (2016). Produktion und Logistik - Supply Chain and Operations Management. 12. Aufl., Norderstedt: Books on Demand.
Tempelmeier, H. (2016). Supply Chain Management und Produktion. 6. Aufl., Norderstedt: Books on Demand.
Tempelmeier, H. (2015). Bestandsmanagement in Supply Chains. 5. Aufl., Norderstedt: Books on Demand.