Losgrößenplanung

Die Losgrößenplanung wird immer dann relevant, wenn mit dem Beginn der Produktion eines Produkts oder Zwischenprodukts Rüstzeiten oder Rüstkosten verbunden sind. Werden z.B. mehrere Getränkesorten mit ein und derselben Abfüllanlage in Flaschen abgefüllt, dann ist für den Produktwechsel i.d.R. ein Umrüstvorgang erforderlich, der oft länger als eine Stunde dauern kann.

Sind die zukünftigen Bedarfsmengen eines Produkts bekannt, dann könnte man versuchen, diese jeweils so spät wie möglich, d.h. unmittelbar vor dem Bedarfszeitpunkt (just in time) zu produzieren. Da mit jeder erneuten Produktion eines Erzeugnisses aber{Rüstzeiten für die Vorbereitung des Arbeitssystems (z.B. einer Maschine oder Produktionsanlage) und z.T. auch Rüstkosten (z.B. Kosten für Reinigungsmaterial; Einrichterlöhne, sofern diese zeitabhängig sind) entstehen, wird man bemüht sein, Bedarfsmengen aus mehreren Perioden zu einem größeren Los zusammenzufassen und diese gemeinsam zu produzieren. Da dies aber zu Lagerkosten für die vor ihrem Bedarfszeitpunkt produzierten Erzeugnismengen führt, entsteht ein
Losgrößenproblem.

Losgrößenprobleme hängen sehr stark von den Eigenschaften des Produktionssegmentes ab, in dem sie auftreten. So sind die Losgrößenprobleme in einem Betrieb, in der viele Produktvarianten in geringen Mengen in Werkstattproduktion hergestellt werden, anders als die Losgrößenprobleme in einem Betrieb, in dem Produktionsaufträge eine Anlage mehrere Wochen hintereinander belegt (Sortenproduktion). Im ersten Fall wird man eher eine Modellformulierung verwenden, in der der Planungszeitraum in relativ lange Perioden zerlegt wird (Makroperioden-Modell, Big-Bucket-Modell), während man im letzgenannten Fall entweder die Zeit als eine kontinuierliche Größe betrachtet oder eine sehr feine Zeiteinteilung (Mikroperioden-Modell, Small-Bucket-Modell) verwendet.

In den letzten Jahrzehnten ist eine nahezu unübersehbare Anzahl von Modellen zur Losgrößenplanung entwickelt worden, deren Anwendungsbereich durch die Modellannahmen bestimmt wird. Das wohl am häufigsten in der Praxis verwendete Losgrößenmodell ist das bereits mehr als 90 Jahre alte klassische Losgrößenmodell (Wurzelformel). Dieses Losgrößenmodell wird in der Praxis in den seltensten Fällen korrekt angewendet. In den meisten Fällen stimmen die Bedingungen der Planungssituation nicht mit den der Wurzelformel zugrundeliegenden Modellannahmen überein.

Siehe auch ...

Literatur

Günther, H.-O. und Tempelmeier, H. (2016). Produktion und Logistik - Supply Chain and Operations Management. 12. Aufl., Norderstedt: Books on Demand.
Tempelmeier, H. (2016). Produktionsplanung in Supply Chains. 4. Aufl., Norderstedt: Books on Demand.